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Leseprobe:
Kapitel 3: Brustschild-Ausgaben, Michel-Nr. 22 PFä, sog. Elbinger Postfälschung
Ein Artikel in der DBZ (1985, S. 4270) stellt erstmals die Postfälschung der Michel-Nr. 22 anhand einer zuvor entdeckten Wertbrief-Vorderseite vor. Zwischen beiden Fälschungen wird ein Zusammenhang
hergestellt.
Abb. 3.2: Sog. Elbinger Postfälschung der Michel-Nr. 22
"Bei den losen Stücken der Postfälschung Fünf Groschen Kleiner Brustschild mußte man sich bisher fragen.
warum der Fälscher diese verhältnismäßig wenig gebrauchte hohe Wertstufe gewählt hatte, wenn es doch sicher leichter wäre Fälschungen des am meisten benötigten Ein-Groschen-Wertes in Umlauf zu bringen. Die
Entdeckung der Wertbrief-Vorderseite läßt nun die Vermutung zu, daß die Postfälschung von einem am Schalter tätigen Postbeamten hergestellt wurde, der diese auf die bei ihm aufgegebenen Wert- und evtl.
Paketbegleitbriefe klebte und den kassierten Betrag zum Schaden der Post in die eigene Tasche steckte. ( ... )
Es fragt sich noch, warum der Hersteller der Elbinger Postfälschung seine eigene "Produktion" vorn Kleinen
Brustschild auf Großen Brustschild umstellte, wie es nach den vorliegenden Belegen zwischen Mai und Dezember 1873 geschah. Es ist durchaus denkbar, daß in diesem Zeitraum die Vorräte an
Fünf-Groschen-Marken mit kleinem Brustschild aufgebraucht waren und daß die neue Lieferung dieser Wertstufe in Marken mit großem Brustschild erfolgte. Der unredliche Postbeamte mußte sich den Folgen der
Entdeckung seiner Tätigkeit bewußt sein und daß die Gefahr einer Entdeckung größer war, wenn etwa festgestellt wurde, daß die von ihm frankierten Poststücke noch immer mit Marken mit kleinem Brustschild
versehen wurden, während er doch nur noch Fünf-Groschen-Bogen mit großem Brustschild zugeteilt bekam. Um dem vorzubeugen, dürfte er also auch angefangen haben, Fä(l)schungen der Fünf-Groschen-Marke mit
großem Brustschild anzufertigen, wobei offensichtlich nicht nur der Prägestempel, sondern auch die Klischees
für den Buchdruck neu angefertigt wurden. Die Inschriften der Postfälschung Fünf Groschen Großer Schild unterscheiden sich nämlich erheblich, nicht nur von den Originalen, sondern auch von denen der bisher
bekannten zwei Stücke der Postfälschung Fünf Groschen Kleiner Brustschild. "
Der bisher bekannte Verwendungszeitraum liegt zwischen Oktober 1873 und August 1875.
Die Fälschung der Michel-Nr. 22 zeigt folgende Kennzeichen: 1. abweichende Inschrift "DEUTSCHE REICHS-POST" und Wertangabe "GROSCHEN" 2. Strichleisten und Punkte unregelmäßig
3. Linienzähnung statt Kammzähnung 4. abweichende Farbe 5. Abstand von Rahmeninnenseite zu Rahmeninnenseite breiter
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